| Grüner: Runde Tische bringen bei Graffiti mehr als Repression 19.01.2004: Artikel in der FRANKFURTER NEUEN PRESSE über die Gründung des Graffiti-Vereins "Einwandfrei e.V." Frankfurt (dpa) Für einen moderateren Umgang mit illegalen Graffiti-Sprühern hat sich der Grünen-Politiker Omid Nouripour ausgesprochen. "Das Problem kann man anders lösen als mit dem Knüppel in der Hand", sagte das Mitglied des Grünen-Bundesvorstands der dpa in Frankfurt. Mit Repression habe man Graffiti in den vergangenen Jahren nicht aus der Welt geschafft. Üppig finanzierte Anti-Graffiti-Programme wie das der Stadt Frankfurt halte er schlicht für Geldverschwendung. Gemeinsam mit dem berufsmäßigen Graffiti-Sprüher Helge "Bomber" Steinmann werde er am Samstag in Frankfurt den Verein "Einwandfrei" gründen, kündigte Nouripour an. Der Verein solle sich für die Belange der Sprayer einsetzen und als Ansprechpartner für Kommunen, Polizei und Hausbesitzer wirken. Wegen der politischen Stimmung gegen Graffiti werde es immer notwendiger, sich zu organisieren. "Schwer übertrieben" seien beispielsweise Äußerungen von Unionsabgeordneten, die Graffiti als Sicherheitsrisiko bezeichnet hätten. An den runden Tischen könnten schnell Erfolge erzielt und gegenseitiges Verständnis geweckt werden, meinte der Grüne. Er könne sich vorstellen, dass man bestimmte Flächen von Bildern frei halten könnte. "Es gibt eine klare Hierarchie in der Szene. Wenn Leute mit einem gewissen Einfluss mitmachen, sind sehr wirksame Kompromisse möglich." Allerdings könne der Verein nicht garantieren, dass sich "jeder 13-Jährige" an die Vereinbarungen halte. Wichtig sei auf der anderen Seite, die "Gewalt-Eskalation" bei der Festnahme der meist jugendlichen Sprüher zurückzudrehen. Graffiti könne zudem als neue Vermittlungsform für politische Inhalte genutzt werden, sagte der Grünen-Politiker. Er habe bereits früher mit der jüdischen Gemeinde Frankfurt über ein Holocaust-Mahnmal in Graffiti-Form verhandelt. Letztlich sei daraus nichts geworden, weil den Sprühern eine feste Organisationsform wie der zu gründende Verein gefehlt habe. Er persönlich habe allerdings nie gesprüht, betonte Nouripour. "Dafür fehlt mir die künstlerische Begabung." ![]() |
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